Aktuelles

Körbe voller Äpfel

Hinter dem Schulhaus am Waldrand steht ein hoher, wild gewachsener Apfelbaum. Im August fielen die ersten rotgefärbten Äpfel herunter: mmmh, feine Gravensteiner mit keinem einzigen Wurm darin. Zum Lied „Chumm, mir wei go Öpfel schüttle“ und ausgerüstet mit Körben haben wir an vielen Tagen viele Äpfel geerntet (und auch noch viele Kilos von Bekannten bekommen). Daraus gab es alles, was man mit Äpfeln so machen kann: Kuchen für alle Schüler, gedörrte Schnitze, Apfelschalentee, Most, Apfelmus, Bratäpfel aus dem Feuer und aus dem Backofen und natürlich frisch vom Baum -mit einem kleinen Umweg über die Apfelrüstmaschine- direkt in den Mund. Aus geschenkten Mirabellen und selbst geernteten Zwetschgen haben wir Konfitüre gekocht. Und aus selbst gequetschten resp. gemahlenen Körnern gab es 5-Korn-Flockenmischungen, Haferflockengüezi und Apfel-/Rüebli-/Zucchetticake. Zudem haben wir Apfel-Karten gedruckt und Geschenktüten gefaltet. Fünf Wochen lang waren wir sehr produktiv. Warum und wofür

Nachdem wir im Kindergarten-Märitstand viel geübt und den Gemüsemarkt in Bern besucht hatten, wollten wir all unsere vielen selbst hergestellten Dinge an einem eigenen richtigen Märitstand verkaufen. Und so sah es kurz vor den Herbstferien vor dem Coop Zollikofen aus:

...und eine Viertelstunde später mussten wir zusammenräumen, weil es nichts mehr zu verkaufen gab…… So toll - die Freude war gross! Zur Belohnung durfte jedes Kind im Coop etwas Kleines kaufen. Zurück in der Schule hatten wir noch Zeit, um zu zählen, wie viel wir verdient haben: Fr. 230.-!!! Wir staunten nicht schlecht.

Eigentlich war meine Idee, aus der Hälfte der Einnahmen den Kindern ein Spielzeug für den Pausenplatz zu kaufen und die andere Hälfte einer gemeinnützigen christlichen Organisation zu spenden. Nachdem ich den Kindern diese Organisation in Wort und Bild vorgestellt hatte, riefen die Kinder: „Alles Geld sollen diese armen Menschen bekommen, wir haben genug!!!“ Ich war so berührt und freute mich riesig über diese Reaktion der Kinder. Einmal ergab sich die Gelegenheit, zusammen zu kochen. So gab es aus dem gemahlenen Vollkornmehl Omeletten und dazu Bratäpfel und Apfelmus – mmh, war das ein Schmaus! Nachdem die Kinder auf dem Obst- und Gemüsemärit ihren Znüni gekauft und ihn gegessen hatten, reichte die Zeit noch, um mit dem Bus zum Bärengraben zu fahren: Und Joelle nahm anlässlich der Ruth Geschichte ein Dinkelspreu-Bad...

Draussen unterrichten

„Draussen in der Natur zu lernen und zu entdecken macht nicht nur Spass, es regt auch alle Sinne an, motiviert und steigert den Lernerfolg. Ausserdem werden die überfachlichen Kompetenzen gefördert. Draussen zu sein ist für Kinder wichtig, denn es steigert ihr Wohlbefinden und begünstigt ihre Entwicklung. Kinder, die mit der Natur vertraut sind, gehen zudem sorgfältiger mit ihr um. Jedes Schulfach lässt sich draussen unterrichten, denn die Ziele des Lehrplans 21 sind selten an einen bestimmten Lernort geknüpft.“

Dies die Einleitung zum Dossier: „Ab in die Natur, draussen unterrichten“, von WWF Schweiz. Mit meinen Schülern habe ich im vergangenen Quartal in den Fächern Deutsch, Mathematik, Musik, Bildnerisches Gestalten und NMG (Natur, Mensch, Gesellschaft) draussen Erfahrungen gesammelt. Wir haben dabei viel Schönes erlebt, hie und da ist auch etwas nicht so gut gelungen.

Zum Beispiel „wägen und messen“, „ordnen von kurz bis lang und von leicht bis schwer“ hat (fast) alle begeistert. Geschichten vertonen, Ausrollgeschichten erfinden, zu Buchstaben und Zahlen passende Gegenstände suchen, die Hundertertafel auf die Bodenplatten schreiben.

„Juhuu, wir hatten heute gar kein Deutsch!“ Dies die Freude eines Schülers, der gar nicht gemerkt hat, wie viel er zu diesem (ihm unbeliebten) Fach gearbeitet hat! Malen mit selbst gebrauten „Süppchen“, Figuren legen mit Materialien, die rundherum zu finden sind, mit Kreide und Papier Abdrücke von Baumrinden herstellen…… Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, im Wald zu gestalten.

Im Wald voneinander und miteinander lernen

Zum Thema „Überfachliche Kompetenzen“ möchte ich auch noch einige Gedanken und Fotos weitergeben. Es ist einfach schön, mitzuerleben, wie die Kinder im Wald in wechselnden Gruppen zusammen arbeiten, spielen, erfinden, nach Lösungen suchen, sich beraten und Ideen besprechen, zusammen Neues entdecken und lernen, sich auch mal streiten (ganz selten!) und ganz schnell wieder versöhnen usw. So schön auch, wie aufmerksam die Kinder in der Zwischenzeit sind: Den Steinkriecher durch die Blätter huschen und die Ameise über das Baumstämmchen krabbeln sehen. Sind die vielen kleinen Federn auf dem Weg von einem (von einem Fuchs gerupften) Vogel und der angeknabberte Fichtenzapfen von einem Eichhörnchen? Verschiedenste Käfer, Spinnen, Schnecken, Mücken, Asseln….. „Und was ist denn das?“ „Ein Skelett von einem Rehbock!“ (Von Frau Bigler versteckt…..). Nicht nur sehen, sondern auch hören, riechen, fühlen: Die Kinder machen einander auf alles Mögliche immer wieder aufmerksam und lernen voneinander.Auf der Wippe Äste zerbrechen, die die andere Gruppe für ihren Hüttenbau braucht. An diesem Tag wurde mit der vierten Hütte begonnen, und ein Spaziergänger meinte, wir hätten da ja schon ein richtiges Dorf. Zusammen „Tische, Stühle und Bänke“ hertransportieren und Pläne schmieden, wie Frau Bigler in Zukunft ihren Znüni alleine im Waldsofa essen wird…. ☺.